Liebevolle Beziehungen – wie geht das?

An manchen Tagen quillt die Liebe in mir über, nur weiß ich nie, wohin damit. Da ist eine Sehnsucht in mir, nach liebevollen Beziehungen, nach Nähe, nach Vertrauen und auch einfach nur danach, dass jemand da ist. Doch trotz einem übervollen Herzen und all diesen Sehnsüchten, fühle ich mich einsam und isoliert. Ich spüre eine unsichtbare Wand zwischen der Welt da draußen und meinem Herzen. Wo ist die Tür in dieser Wand? Wo ist der Weg dort hinaus? So sehr wünsche ich mir, eine Verbindung herzustellen, doch weiß ich nicht wie. Wohin also nun mit all meiner Liebe und meinen Sehnsüchten? Ich starre in meinen halbvollen Kaffeebecher und sehe sie darin ertrinken.

Doch wie kann es sein, dass ich all diese Liebe und diese Wünsche in mir trage, es aber dennoch nicht schaffe, sie nach außen zu transportieren? Warum bin ich nicht in der Lage, Nähe aufzubauen und sie zuzulassen? Ich denke an die Menschen, die ich gern habe und sehe mich mit ihnen sprechen. Die, die mit ihnen spricht, das ist nicht mein wahres Ich. Das ist eine Schutzmauer aus Sarkasmus, Ironie und frechen Sprüchen. Nichts zu spüren von der Liebe, die hinter dieser Schutzmauer wallt. Statt warmer Sonne, nur kalter Regen. Ich betrachte die Szenen weiter von außen und mir wird klar, dass mein Ausdruck von Liebe alles andere als liebevoll ist. Was ich da sehe, ist ein verletzliches kleines Mädchen, unfähig Zuneigung auszudrücken und unfähig sie anzunehmen. Verängstigt, scheu und ohne den Glauben daran, je geliebt werden zu können, versteckt es sich hinter der kalten Regenwand.

Ich schaue mir dieses Mädchen genauer an, sehe mich als kleines Kind… und wieder tobt dieses Kind in mir, will mich nicht sehen lassen, was ihm so weh tut. Doch ich weiß es längst, auch ohne genauer hinzusehen. Ich weiß längst, dass dieses Kind nie gelernt hat, was Liebe ist und wie man damit umgeht. Blicke ich in meine Kindheit zurück, dann sehe ich Chaos, auch in meiner Gefühlswelt. Aufgewachsen in einer zerrissenen Familie, mit einer ambivalenten Mutter, die mal überquoll voll Zuneigung, sich dann wieder kalt und abweisend verhielt und einem abwesenden Vater, der emotional nicht in der Lage war Nähe aufzubauen und seine Schutzmauer auf Sarkasmus aufbaute. Ich sehe mich als Kind, stets nach Liebe suchend, bettelnd, rebellierend, doch vergebens. Aufgewachsen mit dem ständigen Gefühl der Ablehnung, habe ich gelernt, es nicht wert zu sein, geliebt zu werden.

Doch was heißt das heute für mich? Was heißt es, wenn ich mich nie gut genug, nie perfekt genug fühle und ich daran glauben kann, dass mich jemand wirklich lieben oder auch nur mögen könnte? Was heißt es, hinter jedem lieben Wort eine Falle zu vermuten? Hinter jeder Zuneigungsbekundung kalte Berechnung zu unterstellen? Was all das heißt? Nun, das lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Einsamkeit.
Ich habe gelernt, mich zu schützen, mich einzumauern und niemanden wirklich an mich heran zu lassen. Weder lasse ich jemanden hinter meine Mauer, noch komme ich dahinter hervor. Ich traue den Menschen nicht, traue ihrer Zuneigung nicht und auch nicht ihren netten Worten, so sehr ich es auch glauben möchte. Leider ist es mir auch deswegen nicht möglich, meine Zuneigung auszudrücken, ist die Angst vor Ablehnung und davor verletzt zu werden doch viel zu groß, denn genau das habe ich stets seit meiner Kindheit erfahren. Ich habe nie gelernt, wie man Zuneigung ausdrückt, habe nie Vertrauen gespürt und weiß nicht, wie es ist, wenn man sich nah ist. Für mich hat Nähe etwas Bedrohliches, sie macht mich nervös und lässt meinen Körper angespannt in Alarmbereitschaft. Nähe bedeutet für mich verletzt zu werden. Nähe, Zuneigung, Liebe, Vertrauen… all diese warmen Wörter, sind bei mir mit Angst besetzt.

Was nun? Wie kann ich es schaffen, die Ängste zu überwinden um meinen Sehnsüchten Platz zu schaffen und die Einsamkeit zu überwinden? Wie nur??? Ich wünsche mir so sehr, dass ich meinen Mitmenschen vertrauen kann, dass ich Nähe zulassen, Zuneigung genießen und auch ausdrücken kann. Doch man stelle sich einen Menschen vor, der panische Angst vor Spinnen hat. In der Therapie bekommt dieser Mensch nun eine große Spinne auf die Hand gesetzt. Kannst du seine Panik spüren? Ja, genau so geht es mir, wenn mir ein Mensch nah kommt, wenn er mir seine Zuneigung ausspricht. Panik, pure Panik ist es, die ich dann spüre. Angespannt ist dann mein ganzer Körper, wirr mein Kopf. Ich werde nervös, überspiele das mit Witzen, wirke überdreht und schaffe so wieder Abstand. Mit jedem Witzchen, jedem sarkastischen Spruch, jedem herausfordernden Spielchen, schaffe ich Abstand und drücke gleichzeitig meine Zuneigung aus. Klingt paradox? Ja, das ist es wohl. Meine Art Zuneigung auszudrücken schafft Abstand, was gleichzeitig bedeutet, dass ich wieder lerne, dass die Menschen auf Abstand gehen, wenn ich meine Zuneigung ausdrücke. Na super, ein Teufelskreis. Mist verdammter noch mal, wie kann ich diesen Irrsinn durchbrechen?! So sehr wünsche ich mir, dass ich meine Mauer abbauen kann, dass ich mit den Menschen, die ich gern mag, liebevoll und ehrlich umgehen kann, dass ich aufhöre sie zu verletzen mit Sarkasmus und dass ich aufhöre, mir durch Spielchen ihre Nähe zu erschleichen. Ich wünsche mir so sehr, dass ich entspannt und voller Vertrauen vor ihnen stehen und meine Zuneigung offen zeigen kann. Jaja, das ist von Null auf Hundert, ich weiß. Doch wo sind da die Zwischenschritte? Ich versuche es seit Monaten, Zwischenschritte zu finden und sie umzusetzen, doch will es mir nicht gelingen. Jeden Abend will ich meine Erfolge zählen, doch… nichts. Zu nervös macht mich der Alltag, der Umgang den ganzen Tag mit all diesen Menschen. Anspannung, Angst, Einsamkeit.
Umwandeln… das ist es, was ich mit meinem Verhalten tun will.

Sarkasmus —> Ehrlichkeit
Frechsein —> liebevolle Worte
Spielchen —>Nähe
Nervosität —> Gelassenheit
Angst —> Vertrauen

Schön und gut. Immerhin weiß ich schon mal sehr genau, was ich mir wünsche. Doch wo ist der Weg? Wo muss ich meine Schritte hinsetzen, um auf mein Ziel zuzulaufen? Ich sehe mich schon in meinem Kalender Tages- und Wochenziele manifestieren. Ja, alles schön und gut, doch wie…? Wie sehen diese Ziele aus?

In Erwartung auf eine zündende Idee, starre ich weiter auf das leere Blatt Papier…

3 Gedanken zu “Liebevolle Beziehungen – wie geht das?

  1. Liebe Sabine, manchmal sind wir so fokussiert auf die Erreichung eines Wunsches oder Zieles, dass wir nichts sehen können. Wir sehen nicht, dass wir uns verrannt haben und in die falsche Richtung blicken. Viele unserer Wünsche sind aus unserer Entwicklung und Erziehung entstanden, oder aus einem Mangel heraus. Sie verdecken letztlich was wir uns eigentlich wünschen. Inneren Frieden

    Wir suchen Liebe, Glück, Zufriedenheit und Mitgefühl außerhalb von uns. Wir glauben fest, dass wir nur glücklich und zufrieden sein können, wenn wir geliebt werden. Akzeptanz, Anerkennung, Zuneigung, Liebe, Glück – all das glauben wir müssen wir im Außen finden, von anderen Menschen erhalten. Wir wollen endlich gesehen werden, geschätzt, geliebt.

    Manchmal ist es hilfreich unseren Blickwinkel und unsere Perspektive zu wechseln. Wenn wir von uns selbst einmal Abstand nehmen und die Welt da draußen genauer betrachten, sehen wir bei genauen hinschauen überall einsame Seelen, einsame unzufriedene, unglückliche und elend leidende Menschen. Sie trauern, bedauern und bemitleiden sich selbst, weil keiner sie liebt, sieht, schätzt, wahrnimmt oder einfach in den Arm nimmt. Sie würden alles tun um endlich das zu erhalten, was sie glauben von anderen Menschen erhalten zu können. Viele sind bereit ihre Seele zu verkaufen, sich selbst zu prostituieren um ein bisschen Glück, Liebe und das Gefühl von Zufriedenheit zu erhaschen.

    Keiner von all diesen Menschen wird jemals das erhalten was er sich wünscht. Solange nicht, bis er erkennt und begreift, dass sie ihrer Haltung von Selbstmitleid aufgeben, aufhören im Außen zu suchen, was niemand ihnen geben oder schenken kann.

    Allein wir selbst können unser Elend und Leiden beenden. Es beginnt damit, dass wir akzeptieren und annehmen dass wir selbst das einzige Wesen sind, welches die Möglichkeit und Fähigkeit besitzt dies zu tun. Niemand sonst!!!

    In diesem Augenblick beginnen wir Verantwortung für uns selbst und Eigeninitiative zu entwickeln. Wir gehen auf die Suche in uns selbst. Dort finden wir alles, kostbare Schätze, die uns alles ermöglichen, wovon wir zuvor nicht einmal mehr zu träumen wagten.

    Wir können unsere Einsamkeit nicht auflösen durch den Kontakt mit anderen Menschen, sondern nur durch den Kontakt zu uns selbst. Die Bereitschaft uns selbst in die Augen zu schauen und zu begreifen, wir selbst sind es, die uns aus diesem Dilemma befreien kann.

    Zugegeben es ist anfangs nicht leicht, doch so wie ich dich erlebe und wahrnehme bist du schon lange bereit und fähig dazu Liebe und Glück zu empfinden und zu erleben. Es gibt immer wieder Augenblicke in denen wir den Zugang zu uns selbst verlieren, uns einsam und elend fühlen. Wenn du den Weg da heraus nicht bei anderen Menschen suchst sondern in dir selbst wirst du unvorstellbare Wunder erleben.
    Versprochen ❤️
    Es beginnt damit sich selbst in allen Facetten, schönen und angenehmen wie hässlichen und unangenehmen anzunehmen und zu akzeptieren, dass wir so sind wie wir sind, dass wir unsere Welt so erleben wie wir sie erleben, dass sie uns so erscheint wie sie uns erscheint.
    Schmerz und viele Tränen die wir vergießen werden jedoch bald auch Freudentränen sein. Unsere Einsamkeit wird sich verlieren, denn es gibt nichts wundervolleres und schöneres als mit sich selbst in Kontakt zu sein und aus dieser Perspektive sein Leben, die Natur und nach und nach auch andere Menschen zu betrachten und plötzlich mit ganz anderen Augen zu erleben. Liebe, Glück und Zufriedenheit erfahren und erleben wir intensiv in und mit uns selbst. Je mehr wir lernen uns selbst zu vergeben und zu verzeihen, anzunehmen und zu akzeptieren was ist und wie es ist. Wir lernen Mitgefühl für uns selbst zu entwickeln, sehen und erleben unbändige Kraft und Energie in uns, die dadurch entsteht, dass wir uns plötzlich verbunden fühlen mit dem Rauschen eines Baches, den Fischen die darin schwimmen, dem Gras das sich im Winde wiegt, dem betörenden Duft von Blumen und frisch gemähten Gras. Die wärmenden Sonnenstrahlen auf unserer nackten Haut und der Schmetterling der sich zu uns auf die Wiese setzt. Die Vögel die nur für uns zu singen scheinen.
    Mit der Zeit erfahren und spüren wir dass wir alles haben was wir uns wünschen. Wir sind so voller Liebe und Glück, dass wir sie verschenken wollen, können und dies auch tun.

    Doch ist Achtsamkeit gefordert im Zusammentreffen mit anderen Menschen. Viele sind noch immer auf der Suche und in dem Glauben, dass sie sich außerhalb holen und erhalten können was sie suchen. Viele leben allein in ihren Vorstellungen, Gedanken und Illusionen, täuschen sich selbst und somit auch andere Menschen. Es gehört beständige Achtsamkeit dazu sich nicht in Illusionen zu verlieren, besonders den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren.

    Da wir anfangs in besonders aufregenden, schwierigen und vor allem emotionalen Momenten nicht die Festigkeit und Achtsamkeit aufrecht erhalten können, wird es Rückschläge geben. Doch wir werden immer leichter wieder Boden unter unseren Füßen, Geborgenheit und Sicherheit im Kontakt mit uns selbst finden.

    Jeder Augenblick den wir voller Liebe, Mitgefühl und in Achtsamkeit erleben wird unsere Bewusstheit und unser Bewusstsein stärken. Solange und immer wenn wir uns selbst treu bleiben werden sich Tränen der Betroffenheit, der Enttäuschung und Trauer im nächsten Augenblick in Freudenträne verwandeln.

    Ich glaube unser aller Weg unterscheidet sich im Wesentlichen nicht voneinander. Es gibt kaum ein Thema zu dem ich noch nicht eine Geschichte, ein Märchen, ein Gedicht oder einen Text geschrieben habe. Jahre meiner Selbsterforschung und Suche sind in meinem Blog in Buchstaben und Worten festgehalten. Wenn wir mehr und mehr lernen zwischen den Zeilen zu lesen, kann jeder für sich selbst, immer und überall Schätze finden.

    Bisher wurde ich in all meinen Lebenslagen und Situationen stets von wundervollen Wesen, Feen, Engeln, und lieben Menschen begleitet. Auch wenn ich sie in der Situation selbst nicht bewusst wahrgenommen habe.

    Wenn wir aufhören uns an der Vergangenheit festzuhalten, egal ob schmerzhafte oder wundervolle Erinnerungen, fangen wir an Lebendigkeit zu leben.

    Ich bin davon überzeugt, bei dem was du bisher erlebt und für dich selbst erforscht und entdecken durftest, reicht allein ein Wechsel der Perspektive, ein anderer Winkel in der Betrachtung um auf eine wundervolle Lebensader zu stoßen, wertvoller als Gold und Diamanten, wertvoller als alles was du von anderen Menschen erhalten könntest.

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